„Die Antwort der Landesregierung offenbart einen erschreckenden Blindflug in der Ausbildungspolitik. Sie kann weder sagen, wie viele junge Menschen ihre Ausbildung endgültig ohne Abschluss verlassen, noch wie viele nach einer Vertragsauflösung in einem anderen Betrieb weitermachen. Gleichzeitig ist die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen im rheinland-pfälzischen Handwerk von 4.614 im Jahr 2018 auf nur noch 3.998 im Jahr 2025 gesunken – ein Rückgang von mehr als 13 Prozent.

Trotz des viel beklagten Fachkräftemangels gibt es keine belastbare Kohortenstatistik, keine Nachverfolgung der Ausbildungswege und keine ernsthafte Ursachenanalyse. Stattdessen verweist die Regierung auf mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und verkauft Eingangszahlen als Erfolg. Entscheidend ist aber nicht, wie viele Verträge unterschrieben werden, sondern wie viele junge Menschen am Ende tatsächlich einen Berufsabschluss erreichen.

Besonders unverständlich ist, dass nicht einmal die berufsbildenden Schulen systematisch in den Blick genommen werden. Die Landesregierung erklärt lediglich, Berufsschulen vergäben im dualen System keine Berufsabschlüsse und könnten deshalb keine entsprechenden Angaben aus der Schulstatistik liefern. Damit weicht sie der eigentlichen Frage aus: An welchen Schulstandorten treten besonders viele Vertragslösungen und endgültige Ausbildungsabbrüche auf, und welche Ursachen liegen dort vor? Eine moderne Bildungspolitik müsste die vorhandenen Daten von Berufsschulen, Handwerkskammern und Ausbildungsbetrieben zumindest anonymisiert zusammenführen und auswerten. Genau das geschieht offenbar nicht.

Ebenso dürftig ist die Antwort auf die Ursachen von Ausbildungsabbrüchen. Die Landesregierung nennt lediglich allgemeine Möglichkeiten wie Zweifel an der Berufswahl, den Wechsel in ein Studium oder einen Umzug, ohne auch nur einen dieser Gründe zu beziffern oder nach Gewerken, Regionen und weiteren Merkmalen auszuwerten. Damit fehlen genau jene Erkenntnisse, die für wirksame Gegenmaßnahmen notwendig wären. Wer den Fachkräftemangel bekämpfen will, muss zuerst wissen, wo und warum junge Menschen verloren gehen. Die Landesregierung weiß es nicht und genau das ist das eigentliche politische Versagen.“